Schutzimpfung gegen Herpesvirus

Bezüglich der Herpesimpfung beim Pferd herrscht bei vielen Tierhaltern Verunsicherung, geschürt durch Gerüchte, Halbwahrheiten und missverständliche Beiträge in Internet und Medien.
Mit dem folgenden Text – zusammengestellt von Prof. Dr. Thein - geben wir Ihnen die wichtigsten Fakten zu Möglichkeiten und Grenzen der Herpesimpfung weiter.

Was ist das Ziel der Herpesimpfung?

Rund 80 Prozent aller Pferde sind persistent infizierte Virusträger, d.h. sie tragen unterschiedliche Pferdeherpesviren in sich, ohne klinische Symptome aufzuweisen. Zu diesen Viren gehören auch EHV1 und EHV4, gegen die als einzige geimpft werden kann. Unter Stress (z.B. Transport, Krankheit, Umstallung oder Turnier) kann es zu einer Reaktivierung dieser ruhenden Viren und deren Ausscheidung kommen. Genau hier setzt die Impfung an. Ihr Ziel ist es, die Virusausscheidung an dieser Stelle zu reduzieren, um eine Verdünnung, im Idealfall eine Unterbrechung der Infektionskette zu erreichen, die ihren Anfang bei den latent infizierten Ausscheidern nimmt.

Was können derzeitige Impfstoffe leisten?

Derzeitige Impfstoffe induzieren hauptsächlich die Bildung von Antikörpern, welche die reaktivierten Herpesviren vor ihrer Ausscheidung um bis zu 90 Prozent neutralisieren können. Werden 70 bis 80 Prozent aller Pferde mit Herpesimpfstoffen aus inaktivierten EHV1 und EHV4 geimpft, wird der Infektionsdruck derartig gesenkt, dass klinisch manifesten Herpeserkrankungen vorgebeugt werden kann.

Was kann eine Herpesimpfung nicht leisten?

Die durch Impfung induzierten Antikörper haben keinen Einfluss auf persistierende (also nicht reaktivierte) Herpesviren. Die Herpesimpfung kann den Erreger bei latent infizierten Tieren daher nicht eliminieren sowie Neu- und Reinfektionen nicht verhindern. Sie kann das einzelne Pferd auch nicht sicher vor einer klinischen Erkrankung schützen. Nur im Kontext einer Bestandsimpfung können Aborte, Atemwegs- und paretisch-paralytisch verlaufende Erkrankungen verhindert und die klinische Ausprägung des Krankheitsverlaufes reduziert werden.


Welche Pferde sollen geimpft werden?

Grundsätzlich sollen alle Pferde eines Bestandes konsequent geimpft werden: Zuchttiere, Sportpferde und Freizeitpferde. Einzige Ausnahme: Pferde in Beständen mit einem virologisch nachgewiesenen, akuten Herpesgeschehen. Auch Tiere, die noch keine klinischen Anzeichen einer Infektion aufweisen, dürfen in solchen Fällen nicht „notgeimpft“ werden, da bis zu 80 Prozent aller Pferde ohnehin latent infiziert sind und „Notimpfungen“ nur bei Virus-freien Tieren Erfolg haben können. Stattdessen sollte z.B. eine Behandlung mit einem Paramunitätsinducer vorgenommen werden, die zur Virusreduktion beitragen kann. Sobald akute Phase und Rekonvaleszenz überstanden sind, wird die Impfung nachgeholt.

Wie soll geimpft werden?

Nach einer Grundimmunisierung, die drei Impfungen umfasst, muss die Impfung termingerecht in 6-monatigen Abständen wiederholt werden. Empfohlen werden Impfungen gegen EHV1 und EHV4 unter Einsatz der derzeit verfügbaren Impfstoffe mit beiden Antigenen in inaktivierter Form. Bei Fohlen von sicher geimpften Mutterstuten soll die Grundimmunisierung nicht vor dem 8. Lebensmonat stattfinden, da es in Wechselwirkung mit mütterlichen Antikörpern zu einer Immuntoleranz kommen kann. Fohlen aus nachweislich nicht geimpften Muttertieren sollen dagegen erstmals rund um den abgeschlossenen 5. Lebensmonat geimpft werden.


Quelle:

Thein,P.: Herpesimpfung beim Pferd – aktuelle Fakten.
Deutsches Tierärzteblatt 54, 1354 (2006)

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